Gespräche zu Mittel- und Osteuropa

30.10.2009

MitOst-Podium: Visafreiheit für Südosteuropa?

Abgelegt unter: Allgemein, MOE-Podium

Die Europäische Union plant, die Visabeschränkungen für Serbien, Mazedonien und Montenegro zum 01.01.2010 aufzuheben. Menschen aus Bosnien-Herzegovina, Kosovo und Albanien müssen aber weiterhin das kostspielige, langwierige und aufwändige Visumsverfahren durchlaufen. Es diskutieren:

  • Alexandra Stiglmayer, European Stablity Initiative (ESI), Brüssel
  • Dušan Reljić, Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP), Berlin
  • Tobias Bütow, Sprecher der europaweiten Bürgerinitiative „Balkan goes Europe“, Berlin

Lebensläufe der Teilnehmer siehe unten.

Moderation: Sascha Götz, Berlin/Deutschland

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(29 Min.)

Zum Thema der Diskussion

Warum gewährt die Europäische Union nur einem Teil der Länder des Westlichen Balkans Reisefreiheit? Wie reagieren die Menschen z.B. in Bosnien darauf, dass bosnische Kroaten und Serben aufgrund von doppelten Staatsbürgerschaften bald problemlos Richtung Europa reisen können, während die muslimische Bevölkerung weiterhin auf Visa angewiesen ist? Was bedeutet die Visapolitik der EU für die Menschen in Südosteuropa? Hilft die anstehende Liberalisierung auch, der wirtschaftlichen Rückständigkeit entgegenzuwirken?

Diese und weitere Fragen disktuieren die Gesprächspartner – und kommen am Ende überein, dass die Visaproblematik eigentlich nur ein ganz kleiner Teil des Gesamtproblems ist…

Weiterführende Links:

Resolution für die Visafreiheit in Südosteuropa: www.balkangoeseurope.eu

Homepage der European Stability Initiative: http://www.esiweb.org

Ein Blogbeitrag von Michael Kaczmarek zum Thema findet sich hier.

Lebensläufe der Teilnehmer/innen

Alexandra Stiglmayer Alexandra Stiglmayer ist eines der ESI Gründungsmitglieder. Als Journalistin berichtete sie von 1992 bis 1996 über die Kriege im ehemaligen Jugoslawien für das TIME Magazine, The Dallas Morning News, Die Woche und andere deutschsprachige und US-Medien. Während dieser Zeit verfasste sie ein Buch über Kriegsvergewaltigungen in Bosnien und Herzegowina. 1997/98 arbeitete sie in Berlin für das TIME Magazine. Von 1998 bis 2002 leitete sie die Presseabteilung des Hohen Vertreters in Sarajevo als Pressesprecherin und Medienexpertin. Nach dreijähriger Arbeit als Redenschreiberin für die Europäische Kommission schloss sie sich ESI 2006 als Vollzeit-Analystin in Brüssel an.

Dusan Reljic Dušan Reljić ist seit 2003 wissenschaftlicher Mitarbeiter der Stiftung Wissenschaft und Politik (SWP) in Berlin. Als Mitglied der Forschungsgruppe “EU-Erweiterung” beschäftigt er sich vornehmlich mit den Ländern Südosteuropas und der Erweiterungspolitik der EU. Andere Arbeitsfelder sind Fragen der Demokratisierung in post-autoritären Gesellschaften, Nationalismus und ethnische Konflikte sowie die Rolle der Massenmedien in Zeiten von Konflikten und Kriegen.

Tobias Buetow Tobias Bütow ist Sprecher der europaweiten Bürgerinitiative „Balkan goes Europe“. Er studierte Geschichte und Politikwissenschaft in Berlin, arbeitete für die Holocaust-Gedenkstätte Yad VaShem in Jerusalem, Israel, für die OSZE in Sarajevo, Bosnien und Herzegowina, für das Deutsche Historische Museum in Berlin und ist Vorstandsmitglied der chwarzkopf-Stiftung Junges Europa. „Balkan goes Europe“ engagiert sich für die Reisefreiheit der Bürger des Westlichen Balkans.

Kommentare

  1. [...] jüngsten MitOst-Podium: Visafreiheit für Südosteuropa plädiert der Balkan-Experte Dušan Reljić dafür, die Arbeitsmärkte der EU für die Bürger [...]

    Pingback von Der Nachbar » Blog Archive » Neue EU-Strategie für Westbalkan gesucht — 4. November 2009 @ 17:50

  2. Danke für die interessante Podiums-Diskussion! Die für mich wichtigsten Aspekte habe ich in meinem Nachbar-Blog zusammengefasst: http://nachbar.blogactiv.eu/2009/11/04/neue-eu-strategie-fur-westbalkan-gesucht/

    Besonders spannend finde ich das Plädoyer von Dušan Reljić für eine Öffnung der EU-Arbeitsmärkte für Südosteuropäer. In der derzeitigen Krise mit steigenden Arbeitslosenzahlen in der EU ist das allerdings eine politische Bombe. Selbst die wirtschaftsliberalen Briten, die nach der Osterweiterung 2004 als einziges großes EU-Land keine Arbeitsmarktbeschränkungen für die Neu-Mitglieder angewendet hatten, agieren inzwischen restriktiver. Die britische Regierung hat erst gestern erklärt, dass sie die Restriktionen für Bulgaren und Rumänen bis 2011 aufrecht erhält.

    Interessant und brisant ist zudem die Diskussion um “Paketlösungen”. Erst kürzlich wurde das Szenario einer “Big bang”-Erweiterung für den Westbalkan bei einer anderen Diskussionsrunde ebenfalls ins Spiel gebracht. Ich hatte nicht gedacht, dass es so viele Anhänger dieser Erweiterungsstrategie gibt.

    Kommentar von Der Nachbar — 4. November 2009 @ 18:26

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