Im Profil: Geschichtsprojekt “Denkmäler in Dalmatien”
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Die drei Historiker Nils Müller, Marija Vulesica und Bernd Robionek (von links nach rechts) haben sich auf den Weg nach Dalmatien gemacht, um dort im Rahmen ihres Projekts verschiedene Denkmäler zu untersuchen: Einerseits solche für jugoslawische Partisanen und andererseits solche für kroatische Opfer der Kriege der 90er Jahre. Während die letzteren gut gepflegt zu werden scheinen, überlässt man die jugoslawischen Denkmäler häufig dem Verfall oder sie werden gar aktiv zerstört. Und das obwohl viele der “jugoslawischen” Partisanen Kroaten waren.
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Das Projekt wurde im Rahmen der Geschichtswerkstatt Europa von der Stiftung “Erinnerung, Verantwortung und Zukunft” gefördert…
…Die Geschichtswerkstatt fördert internationale Projekte zur Analyse europäischer Erinnerungskulturen. Ihr Ziel ist ein Dialog junger Europäer über die Unterschiede und Gemeinsamkeiten nationaler, regionaler und lokaler Erinnerungen an die Gewalterfahrungen des 20. Jahrhunderts.
Der volle Titel des Projekts lautet “Überlagerung, Verdrängung oder ungestörtes Nebeneinander? Landschaftliche Erinnerungskultur in Dalmatien zwischen Partisanenkult und Repräsentation der Nationalstaatlichkeit”. Die Projektbeschreibung finden Sie hier.
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Herr Goetz,
vielen Dank fuer den sehr informativen Beitrag. Grosses Lob an die Gruppe fuer ihre objektive Berichterstattung. Ich wuerde dazu gerne zwei Dinge kommentieren:
1. Zur Zeit des zweiten Weltkriegs gab es keine Massenmedien und die Bevoelkerung der Gebiete des Ex- Jugoslawiens lebte vorwiegend in doerflichen Gebieten, die Urbanisierung war also nicht sehr stark gepraegt. Die Menschen konnten ihre Meinungen also nur an Hand von “Geschichten” formieren. Diese Geschichten wurden z.T. bis Heute ueberliefert.
Eine Generalisierung ist allgemein nicht rechtzufertigen, das gilt fuer diesen Fall jedoch besonders. Da es in den “Ustasa” Truppen auch sehr viele ehrliche Menschen gab, die sich durch diesen Kampf die Freiheit und Staatlichkeit erhofften (nicht zu wissend was das Hitler Regime fuer Europa wirklich bedeutet) und es bei den “Partizanen” auch Verbrecher gab, die sehr viele Greueltaten nach 1945. begannen hatten und es dem zweiten Weltkrieg angerechnet wurde, wird es bei diesem Thema wohl niemals ein schwarz oder weiss, sondern immer nur tausende Graufarben geben.
2. Gegen Ende des Beitrags sagt Frau Maria ganz richtig, dass viele Menschen ueberhaupt nicht willig sind, ueber solche Themen zu diskutieren, auch wenn sie dabei anonym bleiben koennten. Dies hat zwei Gruende. Zum einen die grosse Unwissenheit der Bevoelkerung (in der Schule werden solche Themen kaum durchgenommen, da es ja auch unter den Lehrern Anhaenger verschiedener Gruppen gibt), wesshalb man diese Themen dann lieber ganz meidet. Zum anderen haben die Menschen aber genug von den “Jahrhundertideologien”, die diese Gebiete mindestens ein hundert Jahre lang gebremst wurden. Mann erhofft sich heutzutage den wirtschaftlichen Wohlstand des Westens und hat “die Schnauze voll” (wenn ich das so sagen darf) von der Politik und den Ideologien. Das Vertrauen hierfuer ist einfach weg.
Meiner Meinung nach holt die Geschichte jedoch einen immer wieder ein und man wird nicht daran vorbeikommen, mit der Vergangenheit aufzuraeumen. Ich weiss nicht wie man das am besten macht. Wie ist so etwas in Deutschland in den 50-ger und 60-ger Jahren gelungen? Vielleicht kann man da Parallelen ziehen (ich bin mir nicht sicher)?
Die Kroatenfrage ist auch Heute noch nicht ganz geloest, weil sie in Bosnien und Herzegowina langsam aber sicher zu einer Minderheit verkommen (ich bin selber einer von ihnen), obwohl sie einst eines von drei konstitutiven Voelkern waren.
Sehr viele von den oben genannten Dingen koennten meiner Meinung nach in Zukunft durch Bildung geloest werden. Hier muss jedoch viel getan werden, da diese Themen in den Schulen Heute nicht vorhanden sind. Ich selbst bin nun Doktorand der Wirtschaftswissenschaften und kannte bis vor ein paar Jahren nicht einmal den Unterschied zwischen dem “Ustasa – Regime” und der “Partizanenbewegung”. Und glauben sie mir, dafuer schaeme ich mich wirklich!
MfG,
Ilija Coric
Kommentar von Ilija Coric — 18. November 2009 @ 10:37
Nachtrag:
Am Do., 24. Juni 2009 findet um 19.30 h in der Wolfdietrich-Schnurre-Bibliothek, Bizetstraße 41, 13088 Berlin (Nähe Antonplatz; Weißensee) die Vorstellung des Büchleins “Erinnerungskultur in Dalmatien” statt. Es ist das gedruckte Ergebnis des deutsch-kroatischen Projektes der Geschichtswerkstatt Europa. Gefördert von der Stiftung “Erinnerung, Verantwortung, Zukunft”. Veranstalter ist das Osteuropa-Zentrum Berlin (OEZB-Verlag).
Link: http://www.geschichtswerkstatt-europa.org/veranstaltung-ansicht/items/buchpraesentation.html
Kommentar von Sascha Götz — 19. Juni 2010 @ 13:09