MitOst-Podium: Pulverfass Bosnien?
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Bosnien-Herzegovina ist ein komplizierter Staat. Das zeigt schon die Tatsache, dass die Verfassung als Anhang zu einem Friedensvertrag festgeschrieben wurde – dem Vertrag von Dayton. Bis heute leben die drei größten Volksgruppen – Bosniaken (bosnische Muslime), Serben und Kroaten eher nebeneinander als miteinander in dem kleinen Land, das noch immer von den grausamen Kriegen Anfang der 90er Jahre traumatisiert ist.
Womit aber identifizieren sich die Menschen in Bosnien? Was wünschen Sie sich? Und was sind die wesentlichen Hindernisse für eine Verständigung? Darüber habe ich mit einem Serben, einem Kroaten und einem Bosniaken gesprochen. Die drei sind nicht nur durch die ethnische Zugehörigkeit, sondern auch durch Alter und Berufe sehr unterschiedlich: Stevan Tontić (geb. 1946, Serbe) ist Schriftsteller, Erdin Kadunic (geb. 1974, Bosniake) ist Politikwissenschaftler und Ilija Corić (geb. 1983, Kroate) ist Betriebswirtschaftler. Und doch finden die drei viele Gemeinsamkeiten im Gespräch…
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Weitere Informationen zu den Gesprächteilnehmern (einen eigenen Kommentar können Sie ganz unten einzufügen):
Stevan Tontić wurde 1946 in Sanski Most (Bosnien) geboren. Er studierte Philosophie und Soziologie in Sarajevo und arbeitete als Lektor. In den Jahren 1979/1980 und 1982 längere Aufenthalte in Deutschland (Ost- und Westberlin). Während und nach dem Bosnien-Krieg lebte er fast neun Jahre (1993 – 2001) im Berliner Exil, seitdem lebt er wieder in Sarajevo als freiberuflicher Schriftsteller. Stevan Tontić veröffentlichte mehrere Lyrikbände, einen Roman sowie Essays und Übertragungen ins Serbische.
Foto: Leipziger Literaturverlag
Erdin Kadunic ist 1974 in der zentralbosnischen Stadt Jajce geboren, kam 1975 nach Deutschland, hat in Berlin sein Abitur gemacht, hat dann an der Freien Universität Berlin Politikwissenschaft studiert, ist somit diplomierter Politologe, der seit einigen Jahren nun in Bosnien und Herzegowina arbeitet.
Ilija Corić, Jahrgang 1983, studierte in Dubrovnik Betriebswirtschaft und arbeitet in Siroki Brijeg und in Banja Luka für eien Firma, die Konsumgüter in ganz Bosnien vertreibt.
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“Pulverfass” hört sich sehr populär an, ist eine vereinfachte konstruktion die die geschehenisse auf dem balkan/bosnien als gerade historisch determiniert erscheint. so könnte man auch viele andere krisengebiete in der gegenwart und in der vergangenheit darstellen -etwa spannungen zwischen franzosen und deutschen. aber keiner wird behaupten, dass europa ein pulverfass ist. mittel- und osteuropa haben einfach in einer kurzer zeit auf der politischen und ökonomischen ebene das nachzuholen, was die westeuropa in 200 jahren gemacht hat (siehe dazu transformationsforscher wie offe, merkel etc.).konstruktionen eines dauernden krisenzustands sind kontraproduktiv, man kann sogar einen latenten rassismus in solchen diskursen beobachten.
Kommentar von Irena Pavlovic — 28. Februar 2010 @ 15:00
Eine interessante Tatsache wird in der Diskussion nicht angesprochen. Das sind die politischen Strukturen im Lande die bei allen drei konstitutiven Völker aus altgedienten Kader der Kommunistischen Partei bestehen die nun pro forma in der ersten Reihe in der Kirche oder Moschee sind, Hauptsache man wird als gottesfürchtiger Mensch wahrgenommen. Diese “Herrschaftskaste” die in Jugoslawien geradezu absolutistische Macht inne hatte ist nicht in der Lage anderwaitig Geld zu verdienen als in der Politik. Da jeder seinen Sohn / Tochter / Schwiegersohn in Lohn und Brot bringen will ist die gesamte Administration durchzogen von Vetternwirtschaft, Leuten die keinerlei Qualifikation für den ausgeübten Bereich haben. So kann es geschehen das ein Kundenberater der Agentur für Privatisierung KEINERLEI Betriebswirtschaftliche Kennzahlen einem potentiellen Investor präsentieren kann, was aber diesen nicht davon abhält für sich privat einen Golf als Schmiergeld zu verlangen. Denn diese Person ist sich sehr wohl dessen bewußt das er nicht bis zur Rente auf dieser Position verweilen wird oder gar Karriere machen wird, er ist somit bedacht mit minimalen Aufwand das maximale zu erreichen.
Der Terminus “Pulverfass” ist wahrlich deplaziert, nicht das wir uns untereinander mögen würden – das wird wohl nie eintreten. Aber keiner hat noch die Energie sich mit dem Nachbarn zu befassen wenn die eigene Existenz durch die finanzielle Situation bedroht ist. Das sicherste Mittel für BiH ist ein Marshall Plan mit einhergehender Ent-nazifizierung d.h. die EU soll die kompletten Personaleinstellungen kontrollieren. Aber da scheint es kein Interesse zu geben, denn weshalb sonst entsendet man drittklassige Politiker als Statthalter in die Region. Als Schwarz-Schilling oder Koschnick entsand wurden waren Sie in Deutschland politisch tot. Die einzige Option wäre GEZ, Rundfunkrat oder man geht halt ins Ausland für paar Jahre.
Kommentar von Petar Cosic — 22. März 2010 @ 08:23
Die bosnischen Muslime bezeichnen sich nach wie vor als die größten
Opfer des Krieges, weil Srebrenica und der Häuserkampf in den
Randgebieten von Sarajevo am meisten durch die internationalen Medien
gingen.
Niemand kommt auf die Idee, dass auch Kroaten und Serben Jugoslawen
waren und auch Opfer zu beklagen haben.
Die Muslime haben die Muhaschedin ins Land gelassen, die nicht minder
pervers schlachteten. Heute werden nur noch den Serben die
Kriegsverbrechen vorgeworfen.
Meiner Meinung nach, sollten ein holländischer UNO Soldat genau so
zur Rechenschaft gezogen werden, die der Meinung waren, dass
Bürgerkriegsfanatiker vor einem blauen Helm halt machen würden.
Worauf ich hinaus will ist, dass die Menschen in Europa und in der
Welt langsam begreifen sollten, dass nicht nur die Serben schuld
sind. Kroaten, Bosnier und Serben, sie haben sich damals alle nichts
geschenkt und sich geprügelt als gäbs kein Morgen mehr. Mittlerweile
habe ich das Gefühl, dass sie es begriffen haben und heuer kaum noch
verstehen, was in den frühen 90ern passiert ist. Sie lernen noch,
aber ich bin sicher, dass sie eines begriffen haben: Krieg hat keine
Gewinner.
Jetzt konzentrieren sich alle 3 Nationen auf eine Mitgliedschaft in
der EU und sie schauen in die Zukunft.
In diese Zuversicht sollte man investieren und in die Zukunft
schauen.
Kommentar von Stefan — 23. Juli 2010 @ 13:24