MitOst Podium: Die Roma als Verlierer des freien Europa
Abgelegt unter: Allgemein, MOE-Podium
Als oberflächlicher Betrachter könnten meinen, dass gerade die Roma in Mittel- und Osteuropa glücklich sein müssten über das Ende des Ost-West-Konflikts. Wurden sie doch in vielen kommunistischen Ländern zwangsassimiliert und wie schon seit dem Mittelalter gesellschaftlich weiterhin an den Rand gedrückt.
Das Gegenteil aber ist der Fall: Die Roma sind die großen Verlierer der europäischen Einigung. Vom Sozialabbau in den Reformstaaten überdurchschnittlich getroffen, sind sie überall “die ersten, die entlassen werden und die letzten, die wieder eingestellt werden” (Joachim Krauß). Außerdem werden sie immer wieder zu Opfern rassistischer Gewalt und die Ausgrenzung hat eher zu- als abgenommen…
Download MP3-Datei (höhere Qualität)
Download MP3-Datei (kleinere Dateigröße)
(ggf. auch mit rechter Maustaste und “Ziel speichern unter” versuchen)
(39:55 Min.)
Für weitere Informationen zum Gespräch und den Teilnehmer/innen oder um diesen Beitrag zu kommentieren klicken Sie auf “weiterlesen”.
Dr. Rajko Đurić fordert deshalb eine “Minderheitenpolitik” und vor allem eine europäische Vertretung für sein “Volk ohne Stimme” (Günter Grass). Und er stellt Erschreckendes fest: Die Diskriminierung ist überall in Europa die Gleiche – in demokratischen Staaten genauso wie in mancher Diktatur! Und auch ein Ausweg über Bildung ist meist nicht möglich, wie Silja Schultheis aus Tschechien berichtet. Denn die allermeisten Roma-Kinder landen in der Sonderschule und werden vom “Aufstieg durch Bildung” ferngehalten. Doch es gibt auch positive Beispiele für das Zusammenleben…
Anlass für das Gespräch über die Situtation der Roma in MOE ist die Studie “Roma in Central and Eastern Europe“, die vom GESIS Leibniz Institute for the Social Sciences, Service Agency Eastern Europe 2009 herausgegeben wurde.
Dr. Rajko Đurić
Wurde 1947 in der Nähe von Belgrad/Jugoslawien geboren. Er studierte Philosophie und promovierte im Fach Soziologie. Rajko Đurić ist Autor mehrerer Bücher, u.a. zur Geschichte der Roma. Er zählt zu den bekanntesten Vertretern der internationalen Roma-Bewegung, war u.a. Präsident der Internationalen Romani-Union und Generalsekretär des internationalen Romani-PEN-Zentrums. Von 1992 bis 2004 lebte er im Berliner Exil.
Silja Schultheis
Geboren 1970 in Berlin. Studium der Kulturgeschichte Osteuropas, Polonistik, Geschichte in Marburg, Mainz, Bremen und St. Petersburg. Stiftungskolleg für internationale Aufgaben der Robert Bosch Stiftung. Seit 2001 Redakteurin beim Tschechischen Rundfunk in Prag. Freie Korrespondentin für deutsche Medien, unter anderem DLR, DW, SWR, WDR, BR. Kolumnistin der tschechischen Zeitschrift Respekt. Zwei Kinder.
Joachim Krauß
Lebt in Berlin und ist derzeit Doktorand am Zentrum für Antisemitismusforschung der Technischen Universität. Er verfasste Studien zu Mittel- und Osteuropa und beschäftigt sich seit längerer Zeit insbesondere mit der Situation der Roma in Rumänien.
Bisher gibt es keine Kommentare.
![[Logo] MOE Kompetenz](http://www.moe-kompetenz.de/wp-content/themes/moe-kompetenz/img/logoMOE-kompetenz.gif)