11.04.2010
Mein Beileid zum Verlust
Abgelegt unter: Allgemein
ich trauere mit allen Polen und möchte auf diesem Weg mein Beileid ausdrücken.
In Anteilnahme
Sascha Götz
Abgelegt unter: Allgemein
ich trauere mit allen Polen und möchte auf diesem Weg mein Beileid ausdrücken.
In Anteilnahme
Sascha Götz
Ein paar Tage vor Ostern sprach ich mit einem Freund über Katyn. Er arbeitet gerade an einem Bühnenstück darüber. Halb ernst fragte ich ihn, ob ich mir um ihn Sorgen machen muss, denn Katyn ist ein gespenstischer Ort. Er lachte. Als ich am Samstag Abend eine Nachricht von ihm erhielt, war ich erleichtert. Es war nicht sein letztes Lachen.
Katyn. Es ist ein verfluchter Ort – sagte der ehemaliger polnischer Präsident Kwasniewski. Allein der Klang des Namens erinnert eindringlich an den Begriff Henker. Wie anders soll man diejenigen bezeichnen, die im Frühling 1940 über 20 000 polnischer Offiziere mit einen Schuß in den HInterkopf ermordet haben. Doch sie waren nur ausführende Kräfte, der Befehl kam direkt vom Kreml.
1943 erfuhr die polnische Exilregierung in England von dem Massaker. Wladyslaw Sikorski, der Oberbefehlshaber der polnischen Armee, forderte von Stalin die Aufklärung des Verbrechens. Einige Wochen später starb er bei einen Flugzeugabsturz. Die Ermittlungsakten befinden sich unter Verschluß.
Katyn. Die größte Lüge der Geschichte, eine Lüge, die die Fundamente der Volkasrepublik Polen bildete. Jeder wußte davon, doch das Reden darüber wurde mit dem Tod bestraft. Ein dunkles Geheimnis, das nur flüsternd weitergegeben wurde.
Katyn, 70 Jahre später. 800 Menschen warten an den Gräbern an die Ankuft des Präsidentenflugzeugs mit sämtlichen Ehrengästen um der Opfer der NKWD zu gedenken. Doch statt der Gedenkfeier findet eine Todesmesse statt. Im dichten Nebel stürzt das Flugzeug ab, es gibt keine Überlebenden dieser Katastrophe.
Das Bemühen um Aufklärung und Anerkennung des Verbrechens von Katyn war eines der Hauptanliegen des Präsidenten Lech Kaczynski. Am 10. April 2010 hat die ganze Welt tatsächlich von Katyn erfahren, doch der Preis dafür war sehr hoch. Es war hoffentlich das letzte Gekicher Stalins.
Ich sehe keinen kausalen Zusammenhang zwischen dem Nachdruck, mit dem Kaczynski das Thema Katyn verfolgte und der Flugzeugkatastrophe. Aber für mich ist ein symbolischer Zusammenhang da. Ebenso wie die Tatsache, dass zu den Passagieren den Unglücksfluzeugs der letzte Präsident der polnischen Exilregierung in London gehörte, die das Erbe der 2. Republik über die kommunistische Zeit hinweg retten sollte. Ein Kapitel der Geschichte ist zu Ende gegangen und vielleicht kann die verfluchte Erde von Katyn zu einem Ort der Versöhnung werden.
Die russische Bevölkerung verhält sich vorbildlich. In Polen mehren sich Stimmen, die dazu aufrufen, die Welle des spontanes Mitgefühls seitens Russland dazu zu nutzen, um die polnisch-russische Beziehungen auf ein neues, stabiles Fundament zu stellen. Es liegt an uns, dem tragischen Tod eine Bedeutung zu verleihen.
Kommentar von Bozena Meske — 12. April 2010 @ 10:32