Gespräche zu Mittel- und Osteuropa

26.10.2010

MOE-Podium: Die Enkel der Vertreibung

Abgelegt unter: Allgemein, MOE-Podium

enkel_panorama In dem Gespräch “Vertreibung und Vertriebene” haben wir vor einigen Tagen über die aktuelle Debatte in Deutschland und Polen diskutiert. Um das Thema noch einmal aus einem anderen Blickwinkel aufzugreifen, habe ich mit drei “Enkeln” der Vertreibung, also Vertretern der “dritten Generation” nach dem zweiten Weltkrieg gesprochen, die sich auf unterschiedliche Weise mit dem Thema Vertreibung beschäftigen.

Der Journalist und Autor Ralf Pasch bereitet gerade ein Buch zu genau diesem Thema vor. Zwei seiner Interviewpartner komplettieren das Podium: Der Tschechische Historiker und Aktivist von “Antikomplex” Matěj Spurný und Ulrich Miksch, der als Sohn eines Vertriebenen in der DDR geboren wurde und sich seit der Wende aktiv in der sudetendeutschen Seliger-Gemeinde engagiert.

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matej_spurny Matěj Spurný wurde 1979 in der Tschechischen Republik im früheren Sudetenland geboren. Er studierte Geschichte und international Studien auf der Prager Karlsuniversität und moderne Geschichte an der Humboldtuniversität in Berlin. In seiner 2010 verteidigten PhD Dissertation beschäftigte er sich mit der Beziehung zu Minderheiten in der Tschechoslowakei der späten vierziger und fünfziger Jahre. Er ist in der tschechischen NGO Antikomplex aktiv, die sich in mehreren Projekten unter anderem für eine Dokumentation der verlorenen Kulturlandschaft im ehemaligen Sudentland einsetzt.

ralf_pasch Ralf Pasch wurde 1967 geboren und wuchs in Thüringen auf. Nach Volontariat und fünf Jahren als Redakteur bei der Südthüringer Zeitung, ist er seit 1995 als freier Journalist tätig, seit 1999 im Journalistenbüro Kassel, das für Zeitungen und Nachrichtenagenturen tätig ist. Seit 2003 arbeitet er als Autobiografiker (eine Art Ghostwriter) für Rohnstock Biografien Berlin. Buchveröffentlichungen unter anderen über die Museumslandschaft und jüdische Landgemeinden in Südthüringen. Die aktuellste Buchveröffentlichung ist – gemeinsam mit Katrin Rohnstock – das 2008 bei dtv erschienene Sachbuch “Mein Leben im Schatten der Blutrache”.

ulrich_miksch Ulrich Miksch wurde 1968 in Suhl (Thüringen) geboren. Sein Vater stammt aus dem Sudetenland. Ulrich Miksch studierte Meteorologie, Philosophie und Kulturwissenschaften an der Humboldt-Universität zu Berlin. Er arbeitet als Freier Journalist unter anderem für die NZZ. Seit 2006 ist er Mitglied der von sudetendeutschen Sozialdemokraten gegründeten Seliger-Gemeinde.

Kommentare

  1. Dieser Beitrag hat mich sehr beeindruckt, besonders weil Sie für dieses Interview sehr offene Gesprächspartner gefunden haben, die auf beiden Seiten gewillt sind, das doch eher gespannte Klima in diesem Thema zu entspannen.
    Ich selbst bin Österreicherin, und auch eine “Enkelin”, eigentlich schon “Urenkelin”, denn väterlicherseits wurden meine Vorfahren schon nach dem Ersten Weltkrieg enteignet und mußten mit wenig Gepäck nach Österreich fliehen. Meine Familie hat das nie verwendunden und starke Haßgefühle gegen die Menschen in Tschechien gehegt. Das hat mich – von Haus aus offen für andere Kulturen und Länder – immer sehr gestört, da ich das als sehr kontraproduktiv empfand. Ich persönlich leide eher darunter, dass ich kaum mehr Möglichkeiten habe, meine Wurzeln zurück zu verfolgen, was mir persönlich sehr wichtig wäre. Einzig und allein von meinem Ururgroßvater weiß ich, dass er Ehrenbürger von Olmütz war und an der dortigen Universität Recht und Politikwissenschaften lehrte.
    Im Umgang mit jungen Tschechen habe ich leider die Erfahrung gemacht, dass jedes noch so gute Gespräch beim Thema “Ich hatte auch mal Familie dort” sofort abbricht. Ich kann nicht sagen, ob das Unsicherheit bzw. Angst davor ist, im nächsten Atemzug gleich als “Menschenvertreiber” oder ähnliches abgestempelt zu werden oder ob es daran liegt, dass meine Gesprächspartner auch heute noch hinter dieser Politik stehen… Schade, denn selbst bei diesem Thema kann eine gemeinsame Herkunft nicht nur ein Streitpunkt, sondern auch sehr positiv sein!

    Kommentar von Andrea Koppel — 26. Oktober 2010 @ 23:59

  2. Der Beitrag hat mich gut beeindruckt, die Gesprächspartner waren ja ausgezeichnet. Man merkt dann gleich, daß dahinter eine große Liebe zu der versunkenen deutschen Kultur dieses Landes steht, man bekommt sogleich die Hoffnung, daß es in so einem jetz kaputten Gebiet man wiedermal offen denken kann und dann Brücke statt Mauern baut.
    Ich besuchte regelmäßig das Land für etwa dreißig Jahre, bis ich dort oben, in Bilin, meine Lebenspartnerin gefunden habe. Ein Wunder ist mir also geschehen. Meine Familie ist auch bunt: die triester Oma hieß Buchbinder, der Großvater Ocvirk, im 1938 wurde meine Mutter von der Schule entfernt, weil man auch bei uns die antijüdischen Gesetzte angenommen hat.
    Vielen Dank! Grüße aus dem Comersee/Oberitalien Enrico Bonaiti

    Kommentar von Enrico Bonaiti — 5. Dezember 2010 @ 19:06

  3. [...] der NGO Antikomplex umgesetzt wird und erläutert die Arbeit des Goethe-Instituts mit Blick auf die deutsche Minderheit in [...]

    Pingback von Im Profil: Das GI-Projekt “Grenzstreifen” – Gespräche zu Mittel- und Osteuropa — 11. April 2013 @ 21:39

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