Im Profil: Die Webseite www.ukraine-nachrichten.de
Abgelegt unter: Allgemein, Im Profil
Andreas Stein betreibt seit vier Jahren die Webseite www.urkraine-nachrichten.de – und zwar ehrenamtlich. Dort findet man auf Deutsche Beiträge zu Gesellschaft, Landwirtschaft und Politik. Vorwiegend werden Artikel aus dem Ukrainischen übersetzt oder Meinungsstücke platziert. Außerdem bietet die Seite einen „Recherche- und Infodienst“: Damit ist die Recherche von Personen gemeint, aber auch von Unternehmen und sogar Konkurrenzanalyse. Pauline Tillmann hat Andreas Stein in Kiew getroffen und mit ihm gesprochen.
Download MP3-Datei (höhere Qualität)
Download MP3-Datei (kleinere Dateigröße)
(ggf. auch mit rechter Maustaste und “Ziel speichern unter” versuchen)
(05:06 Min.)
Zur Person: Andreas Stein ist 33 Jahre alt und lebt seit 2006 in Kiew. Er hat in Dresden Volkswirtschaft studiert. Seine Diplomarbeit handelte von: „Kooperation in der Wissensgesellschaft: Zur Ökonomie der Open Source Bewegung“. Während des Studiums hat er ein Auslandsjahr in Novosibirsk verbracht. In Kiew arbeitet er an verschiedenen Projekten und ist wissenschaftlicher Mitarbeiter der Heinrich-Böll-Stiftung. In dieser Funktion publiziert er immer wieder Analysen über die politische Situation in der Ukraine. Das Nachrichtenportal www.ukraine-nachrichten.de betreibt er ehrenamtlich.
![[Logo] MOE Kompetenz](http://www.moe-kompetenz.de/wp-content/themes/moe-kompetenz/img/logoMOE-kompetenz.gif)
Die Ukraine-Nachrichten geben seit Jahren einen kritischen Überblick, über das politische Denken und die Diskussion in der Ukraine. Für mich ist diese Seite neben den Länderanalysen Ukraine des Osteuropainstituts Bremen und der Kyiv Post die wichtigste Informationsquelle.
Was zwischen den Zeilen in diesem Interview anklang, möchte ich nicht nur bestätigen, sondern auch deutlich hervorheben. Der politische Diskussionsprozess in der Ukraine wirkt im Vergleich zu Westeuropa geradezu leidenschaftlich und unverbraucht! Es bringt wirklich Spaß, die Artikelzusammenstellung auf dieser Seite zu lesen!
Die Aussage in dem Interview, dass die Ukraine der freie Teil Russlands sei, konfligiert zwar ein wenig mit der Meinung, dass die ukrainische Regierung in jedem Falle eine unabhängige Position gegenüber Russland einnehmen will, aber dennoch ist etwas Wahres daran.
Man könnte sagen, dass von den vier großen Ländern der ehemaligen UDSSR, Russland, Ukraine, Kasachstan und Belarus, die Ukraine das Land ist, das den Mund auf macht. Die besondere Dynamik in der Beziehung zu Russland, gibt ihr hier sogar eine herausragende Rolle.
Was an Kritik aus der Ukraine kommt, kann dabei den Russen besonders weh tun. So war die Orangene Revolution ein Trauma für Putins Russland, der so genannten gelenkten Demokratie. Viele junge Ukrainer sind frisch und frech und dabei auch noch intelligent und gebildet. Es lohnt also, sich dieses Land näher anzuschauen, um zu verstehen, mit welchen Problemen die postsowjetische Welt zu kämpfen hat.
Es gibt hier vor allem einen Metalitätsbruch zwischen der ersten, in Unabhängigkeit aufgewachsenen Generation und ihren Eltern, die sowohl in der ukrainischen Mentalität, als auch in den Zeiten sowjetischer Entmündigung wurzeln. Letztere warten seit der Orangenen Revolution auf die Erlösung aus dem Westen, zeigen häufig wenig Selbstkritik und Eigeninitiative. Sie sind vor allem darin trainiert, schlechte Verhältnisse zu ertragen. Erstere sehen die selbst gemachten Probleme des Landes häufig erstaunlich deutlich und suchen Anschluss an internationale Standards. Schlimm deshalb, dass die westeuropäischen Länder, auch auf betreiben Deutschlands, sich so massiv gegen die ukrainische Bevölkerung abgeriegelt haben. Die Chancen, für diese jungen Leute, in andere europäische Länder zu reisen, schwinden von Jahr zu Jahr. Eine äußerst bedenkliche Entwicklung!
Mit der Zentrierung der deutschen Politik auf Russland, haben wir seit der Ära Steinmeier die Ukraine aus dem politischen Dialog zunehmend ausgegrenzt. Nach dem Motto, lieber mit Diktatoren reden, als mit Chaoten. Diese außenpolitische Fehleinstellung gehört dringendst korrigiert, wenn wir im Osten nicht weitere diktatorischen Entwicklungen begünstigen wollen. Ich meine damit auch ausdrücklich die Ukraine.
Die Ukraine-Nachrichten ist eine der wenigen Seiten, die ermutigen, sich intensiver mit diesem Land zu beschäftigen. Deshalb ist sie so wichtig und unverzichtbar!
Kommentar von Sönke Paulsen — 2. Mai 2011 @ 10:46
Ich kann mich dem Vorredner nur anschließen. Ukraine-Nachrichten ist, nicht zuletzt vor dem Hintergrund, dass die Seite vollständig ehrenamtlich betrieben wird, ein großartiges und in dieser Form wohl einzigartiges Projekt, das wie kein anderes Portal, was die Anzahl und die Qualität der bereitgestellten Analysen, Kommentare und Informationen über ukrainische Politik und Gesellschaft betrifft, deutschsprachigen Lesern einen Einblick in die Ukraine jenseits der althergebrachten Klischees liefert.
Kommentar von Wolfgang Hottner — 3. März 2013 @ 00:10